Phil 2,3 Jeder achte den anderen

  • " Einer achte den anderen höher als sich selbst!" ( Phil 2,3)

    Aus aktuellem Anlass - der Gesprächskultur von Usern - würde ich gern mit euch austauschen, wie man miteinander umgehen sollte als Christ, aber auch ganz einfach als Mensch.

    In meiner Kindheit wuchs ich behütet in der katholischen Kirche, in einer Klosterschule auf. Man begegnete sich immer mit Achtung, konnte sich beim Gegenüber entschuldigen und dann war die Sache vergessen. Der Nachteil war, dass manche Dinge gemeinsam vertuscht wurden, wie die " Privatsekretärinnen" der Priester, die offiziell ehelos lebten. Insider wussten genau, wer mit wem ging und der Mantel der Liebe ließ die Augen verschließen.Böse Angriffe waren mir fremd.

    Dann begegneten wir Freikirchlern. Dort hand habte man es anders. Ich war erschrocken, als ich einen Anruf erhielt von einer Leiterin, die ich kaum kannte: ": Dem Arzt lief die Frau davon..." den Arzt kannte ich nicht. In der Regel redet man hier in der Gegend nicht miteinander sondern übereinander. der bekannte Pastor Horst Werner, Leiter der Bibelschule Beröa, war nie bereit, mir zu sagen, weshalb er einen Pastor, den ich seit Jahren nicht gesehen hatte, anrief, um über mich zu tratschen. Als ich jenen Pastor traf, sagte er mir, er wusste nicht, was das sollte, ich sei kein Gesprächsthema für ihn. Es ist davon auszugehen, dass er solches Verhalten seinen Schülern beibringt aus Überzeugung. Oft musste ich blocken, böse Dinge über andere zu erfahren. wenn sie dann dabei waren, war man freundlich.

    Zu Nichtgläubigen hatte ich nie so viel Kontakt. Nun lerne ich hier eine dritte Gruppe kennen mit unserem geschätzten Grubi, der Verbalangriffe startet, mit einer Wortwahl, die mir nicht geläufig ist außer von einigen Schülern, die als Rabauken bekannt waren. Ich denke, jeder dieser Gruppen muss man differenziert begegnen. aber gibt es allgemeine Regeln im Umgang miteinander?


    Für mich ist die wichtigste Regel, nicht übereinander sondern miteinander zu kommunizieren. das tut auch Grubi, was ich an ihm schätze. Aber über die Art und Weise wäre interessant hier auszutauschen. wir wollen ein Forum sein, wo jeder sich wohlfühlen kann. Bei Agressivitäten fühle ich mich unwohl. Wobei es auch an meinem Hintergrund liegen kann, dass solche Töne mir nicht geläufig waren. Agressivitäten zeugen von mangelnder Achtung des Nächsten.


    Regel 1: Rede nicht übereinander sondern liebevoll miteinander


    Wenn ich mich persönlich angegriffen fühle, gehe ich auf den Angreifer zu und stelle ihn unter 4 Augen zur Rede. Für Beziehung ist wichtig, Sachen zu klären und ich begrüße, dass Günther es hier versucht und nichts vertuscht. Günther, du machst das gut! Sanktionen müssen nicht sofort verhängt werden.


    Regel 2: Versuche Unstimmigkeiten zu bereinigen in gegenseitiger Wertschätzung und Toleranz..


    Ich denke, nun könnt ihr ergänzen.

  • Tja Gera, das ist wohl der "Königsweg", den du da beschreibst. Alles gut und biblisch begründet; wenn sich alle daran hielten könnte man eine ordentliche sachliche Dialogführung durchsetzen.


    Aber man kann niemanden zwingen. Ich habe den Dialog mit vielen Atheisten gesucht. Nicht um sie zu überzeugen - das muss jeder für sich selbst entscheiden - sondern um ihren Standpunkt zu erfassen, Missverständnisse auszuräumen und einfach im Gespräch zu bleiben. Miteinander kommunizieren.


    Ich habe leider zunehmend die Erfahrung gemacht, dass Atheisten - aber auch der ein oder andere Freikirchler - ziemlich aggressiv wurden, wenn es mal in die Tiefe einer ansich sachlichen Diskussion ging.


    Oft musste ich dann die Diskussion beenden, weil reine Streitgespräche zu nichts Neuem führen. Bis zu einem gewissen Grad kann ich eine Diskussion auch mal emotionaler moderieren, solange die Sachlichkeit nicht völlig verloren geht.


    Wer nur Verbalangriffe führt, ist in diversen Gruppen bei Facebook und Co. sicher besser aufgehoben.


    Ich bin sicher, dass man mit Grubi auch sachlich diskutieren kann, wenn es mal nicht um religiöse Themen geht oder seinen Kampf gegen die christliche Bigotterie, wie er es nennt. Diesen Kampf führt er mit sich selbst, da halte ich mich raus.

  • Gera und Nemesis, ich lese Eure Beiträge mit großem Interesse. Der Philipperbrief gehört schon seit Jahrzehnten zu den Teilen der Bibel, die mich am meisten faszinieren.


    Wir sprechen schon seit einigen Wochen in unserem Online-Bibelkreis über diesen Brief. Und morgen Abend wird ausgerechnet auch bei uns Phil 2 konkret besprochen werden. Ingeborg macht die Einleitung und gestaltet den Abend.


    Tatsächlich ist es doch wirklich so, dass in den verhältnismäßig wenigen Kapiteln eines biblischen Buches so viel Nachdenkenswertes steht.


    Gera, was Du hier im Thread ansprichst und thematisierst, ist sicherlich sehr, sehr wichtig für den Umgang miteinander in Kirche, Gemeinde und kleineren Gruppen.


    Da steht, wie Du zitierst, im Vers 3 "Einer achte den anderen höher als sich selbst!" Nun muss ich gestehen, dass ich es im Laufe meines Lebens leider gerade sehr häufig in christlichen Gemeinden erlebt habe, das dort ziemlich übereinander geredet, also getratscht, wurde. Wir nennen das im Norddeutschen übrigens "sludern". Das hört sich zwar dann fast etwas "gemütlich" und "romantisch" an, aber mit Nächstenliebe hat das im Sinne Jesu Lehre sicherlich nichts zu tun. Paulus äußert sich hier, wie so oft, sehr klar und deutlich!


    "Einer achte den anderen höher als sich selbst!" - Das hat mit so Bemerkungen "am Rande" über andere Menschen, die oft gar nicht so "am Rande" gesagt und gemeint sind, oft wirklich gar nicht mehr sehr viel zu tun. "Ich will ja nichts gesagt haben, aber ..." - Was bedeutet so eine Formulierung eigentlich, wenn wir sie diesem Zitat von Paulus gegenüber stellen?


    Vielleicht sollten wir diesen Vers einmal im Zusammenhang des ganzen Abschnitts bedenken. Unter diesem Link des ERF findet Ihr das ganze zweite Kapitel und könnt dort verschiedene Übersetzungen (gleichzeitig oder nacheinander per Klick auswählen) und lesen dann : Philipper 2 | Das Buch :: ERF Bibleserver.


    Ich bin schon gespannt auf den morgigen Abend! Und auf unseren weiteren Austausch hier in diesem Thread.

  • "

    Ich bin sicher, dass man mit Grubi auch sachlich diskutieren kann, wenn es mal nicht um religiöse Themen geht oder seinen Kampf gegen die christliche Bigotterie, wie er es nennt. Diesen Kampf führt er mit sich selbst, da halte ich mich raus."


    Das stimmt, teilweise haben wir richtig guten Austausch mit ihm. Nur bei religiösen Themen klappt es im Augenblick nicht. Möglicherweise sollte man sich da wirklich "raushalten" d.h. zurück halten, wenn er in unsachlicher Weise argumentiert. Aber Nemesis hat Recht, das kann einem auch bei Freikirchlern passieren, gerade auch, wenn man sich impfen lassen hat....Irgendwann sind Grenzen erreicht.


    Es ist schön, den Philipperbrief zu lesen, aber er enthält solch eine fülle an Verhaltensweisen, dass kein Mensch vermag danach zu leben. Einiges vermag man mit Hilfe des Heiligen Geistes und ganz wichtig ist, einander zu vergeben, wenn sich einer verfehlt.

  • Zitat

    Köln: Atheisten dürfen künftig einmal pro Woche rufen, dass Gott nicht existiert

    In einem Modellprojekt erlaubt die Stadt Köln für die nächsten zwei Jahre den muslimischen Muezzin-Ruf – dabei werden über Lautsprecher einmal wöchentlich freitags Gläubige zum Gebet gerufen. Die Meldung sorgte für viel Aufsehen, während ein weiteres Detail der Maßnahme bislang wenig Beachtung fand: Künftig ist es auch Atheisten gestattet, einmal pro Woche laute Rufe zu verbreiten, dass Gott nicht existiert.

    "Wenn Christen mehrmals täglich Glocken läuten und Muslime einmal pro Woche laut verkünden, dass Gott groß ist, muss es Atheisten ebenfalls gestattet sein, ihre Überzeugungen in voller Lautstärke durch das Stadtgebiet dröhnen zu lassen", so Bürgermeisterin Henriette Reker. "Alles andere wäre ungerecht."

    (...)

    Der Postillon

    "Ihr Menschen seid schwach und zerbrechlich! Wenn Euer Magen spricht, dann vergesst Ihr Euer Hirn!
    Und wenn Euer Hirn spricht, dann vergesst Ihr Euer Herz! Und wenn Euer Herz spricht, dann vergesst Ihr alles!"

  • @Postillon


    Ich hätte nichts dagegen, wenn auch Atheisten ihre Meinung lautstark veröffentlichten. Da müssten sich die Atheisten mal an die GB-Stiftung, oder den IBKA wenden. ;)


    Auf der anderen Seite brauche ich weder das Glockengeläut der Kirchen noch die Rufe eines Muezzins.

  • So, unser Hauskreis hat stattgefunden. Bekanntlich berichtet man aus einem Hauskreis nicht nach "draußen", zumindest nicht über vertrauliche Gespräche. Daran werde ich mich jetzt natürlich auch halten. ;)


    Aber ich darf euch ja das schreiben, was ich zu diesem Thema beigesteuert habe. Ich sagte etwas zu den Versen 3 - 8:



  • Zitat von Günter

    Nein, wir selbst sind hier aufgefordert, über uns nachzudenken, über uns selbst.

    Dann aber ist uns viel Gutes und Wesentliches verheißen!

    Genau so ist es. Und letztlich trifft das auf die ganze Bibel zu...sie ist in diesem Zusammenhang ein Werkzeug zur Selbstkritik. Mit dem Finger auf andere zeigen und sich selbst erhöhen ist lieblos. Wenn man dazu befugt ist, mit der Bibel Rat zu erteilen, dann sollte es immer um die Sache gehen und nicht um die Herabwürdigung einer Person.

  • Mich hat es nicht angesprochen; wir haben gelernt, nur so viel auf den Teller zu tun, dass man es essen kann. Hier auf dem Land war es es vor Corona üblich, dass Leute, die nicht alles aßen, es einpackten, mitnahmen. Hier ist durch die Industrie überwiegend Arbeiterschicht und Verschwendung kenne ich hier nicht. In Hannover erlebte ich es bei einem Pastor, der sagte, Reste werfen sie immer in den Abfall. Die Pastorenfrau bat mich verzweifelt, ob ich etwas tun könnte, damit nicht jeden Sonntag ganze Torten im Müll landen. Aber ich wusste nicht, was ich hätte tun sollen. Dort war aber für alle genug da; es wurde zu viel aufgetischt, falls Gäste kommen. Ich war kein Leiter dort. Der Pastor ist Afrikaner, vielleicht macht man es dort so. Wir gingen mit dem Sportverein essen und meine Nachbarin bat den Kellner um Alufolie, nahm ihre Reste mit. somit halte ich das Beispiel für unglücklich, um aufzuzeigen, dass sich jeder selbst der Nächste ist.


    Anders erlebte ich es bei Veranstaltungen, man schubste, drängelte, um selbst die besten Plätze zu ergattern.

    • Offizieller Beitrag

    Gera, nun soll das Essen hier ja auch nur ein Beispiel von vielen sein. Wir könnten stattdessen doch alles mögliche andere nennen. Bei uns persönlich sind es dann möglicherweise völlig andere dinge, die hier genauso passen könnten. ;)


    Aber, Gera , was Du beschreibst, das kenne ich auch, so haben wir das zu hause auch gelernt. Wir wuchsen in bescheidenen Verhältnissen auf. Deshalb habe ich mir auch Jahre später, wenn wir essen gingen und nicht alles aufaßen, immer alles zum Mitnehmen einpacken lassen.


    Nun meine ich aber auch, dass dieser Anstoß auf viele Leute schon zutrifft. So empfand eine frühere Bekannte von mir, als wir zusammen essen gingen, es als sehr peinlich, dass ich mir mein übriggebliebenes Essen beim Griechen zum Mitnehmen einpacken lassen wollte. "Conny," sagte sie zynisch zu mir. "wollen wir nicht vielleicht nicht auch gleich noch für dich sammeln?"


    Und, mal ehrlich, wenn wir uns umsehen, so trifft dieser Anstoß bei den meisten der Leute um uns herum schon zu. Und das sicherlich schon seit Jahren. Nicht ohne Grund sang Reinhard Mey schon 1972 dieses Lied:


  • Ja da hat sich wirklich nicht viel verbessert. Reinhard Mey bringt es genau auf den Punkt.


    Zitat

    So empfand eine frühere Bekannte von mir, als wir zusammen essen gingen, es als sehr peinlich, dass ich mir mein übriggebliebenes Essen beim Griechen zum Mitnehmen einpacken lassen wollte. "Conny," sagte sie zynisch zu mir. "wollen wir nicht vielleicht nicht auch gleich noch für dich sammeln?"

    Jesus hatte diesbezüglich doch ein hervorragendes Beispiel gegeben. Bei der Speisung der über 10000 Menschen durch ein Wunder mit Brot sagte er zu seinen Jüngern:


    Zitat

    Als sie aber satt waren, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts verloren geht.

    Ich mache es auch heute noch so: Sollte ich die Portion in einem Restaurant nicht schaffen, nehme ich den Rest für später mit. Ein Restaurant, dessen Personal mir dies verweigert oder auch nur "komisch guckt", sieht mich dort nie wieder. Mit Personen, die das kritisieren oder zynisch kommentieren, kehre ich nie wieder in irgendein Gasthaus ein, noch erweise ich ihnen Gastfreundschaft. Solche Aussagen und Kommentare sind zutiefst gotteslästerlich.


    Bei Buffets lasse ich gerne den anderen den Vortritt; Erstens muss ich nicht der Erste sein und zweitens nehme ich mir Zeit - auch beim physischen Speisen. Kaum einer denkt heute noch daran, Gott für all die Speisen und die vielen Hände zu danken, die mit der Zubereitung beschäftigt waren. Das ist doch im Grunde noch wichtiger, als das eigentliche Essen selbst.


    Wer Speisen als Geschenk Gottes betrachtet, hat große Wertschätzung dafür und wirft nichts achtlos weg.


    Die sog. "Ellenbogen-Gesellschaft" und "Ich zuerst" Menatlität ist das Ergebnis der zunehmenden Abkehr von Gott und seinen Grundsätzen. Es ist eine Herausforderung, diese Einstellung aus den christlichen Gemeinden zu verbannen.

  • Nein, ein Ergebnis des protestantisch-puritanischen Weltbildes.

    "Ihr Menschen seid schwach und zerbrechlich! Wenn Euer Magen spricht, dann vergesst Ihr Euer Hirn!
    Und wenn Euer Hirn spricht, dann vergesst Ihr Euer Herz! Und wenn Euer Herz spricht, dann vergesst Ihr alles!"

  • Sagst du. Ist ein wenig verwirrend bei 298 christlichen Glaubensrichtungen, von denen keine jemals etwas Gutes getan hätte.

    "Ihr Menschen seid schwach und zerbrechlich! Wenn Euer Magen spricht, dann vergesst Ihr Euer Hirn!
    Und wenn Euer Hirn spricht, dann vergesst Ihr Euer Herz! Und wenn Euer Herz spricht, dann vergesst Ihr alles!"

  • Zitat

    Sagst du. Ist ein wenig verwirrend bei 298 christlichen Glaubensrichtungen, von denen keine jemals etwas Gutes getan hätte.

    Letztlich sagt das die Bibel. Ich habe den Text schon oft zitiert, in welchem Jesus sinngemäß sagt, dass sich in zukünftigen Generationen viele als Christen ausgeben würden. Diese werden aber von Jesus als "Gesetzlose" verurteilt und er selbst distanziert sich ausdrücklich von solchen.


    Wie gesagt: Es zählt nicht die Behauptung man sei Christ, sondern die harten Fakten.


    Weltweit soll es mehrere 100 verschiedene sog. christliche Gemeinschaften geben, die sich teilweise erbittert bekämpfen. Auch Katholiken und Protestanten haben sich in der Vergangenheit bis in unsere Zeit immer wieder heftig bekämpft.


    Das sind keine Christen im Sinne der Lehre von Jesus Christus.

  • Hier noch ein paar Gedanken zum Thema von Jörg Dechert - Vorstandsvorsitzender von ERF Medien


    Tu dies, tu das – du solltest, du könntest, du müsstest. Kennst du das? Viele Menschen leben und leiden unter ständigem Leistungsdruck. Das geht aber auch anders.






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