"Wer Homosexualität ablehnt und dies biblisch begründet, reißt Aussagen aus dem Zusammenhang." - Was meint Ihr?

  • Grubi,

    Joh14,17 "den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn erkennt". ( Elberfelder)


    Die Bibel sagt klar, dass nur der Geist dem Wort Gottes Leben gibt. Wer nicht glaubt, liest Buchstaben, totes bedrucktes Papier.

    2 Kor 3,6 Er hat uns fähig gemacht, Diener des Neuen Bundes zu sein, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig. ( Einheitsübersetzung)
  • Ja, guter Trick...leider kompletter Unsinn.

    "Ihr Menschen seid schwach und zerbrechlich! Wenn Euer Magen spricht, dann vergesst Ihr Euer Hirn!
    Und wenn Euer Hirn spricht, dann vergesst Ihr Euer Herz! Und wenn Euer Herz spricht, dann vergesst Ihr alles!"

  • Grubi,

    Joh14,17 "den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn erkennt". ( Elberfelder)


    Die Bibel sagt klar, dass nur der Geist dem Wort Gottes Leben gibt. Wer nicht glaubt, liest Buchstaben, totes bedrucktes Papier.

    2 Kor 3,6 Er hat uns fähig gemacht, Diener des Neuen Bundes zu sein, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig. ( Einheitsübersetzung)


    Ja, guter Trick...leider kompletter Unsinn.


    Würde ich so nicht sagen, Grubi, aber über die Wirkungen des Heiligen Geistes kann man nun wirklich nicht mit Atheisten oder mit Agnostikern diskutieren.


    Das wäre ähnlich unmöglich, wie wenn man einem lebenslang vollständig erblindeten Menschen erklären will, was der Unterschied zwischen bordauxrot und königsblau ist.


    Nachtrag: Natürlich kann man darüber theoretisch diskutieren, aber das wäre kaum zielführend.

  • Warum sollte man auch über etwas diskutieren, was nicht existiert, wofür es nicht den geringsten Beweis gibt.


    Das ändert aber nichts an den gedruckten Texten, die nachweislich von Menschen verfasst wurden und dementsprechend auch von Menschen verstanden werden können.


    Im Umkehrschluss würde dein Argument für mich bedeuten, dass man nicht mit Leuten über Evolution (bordauxrot) oder Politik (königsblau) reden sollte, die kein Studium an einer Universität absolviert haben.

    "Ihr Menschen seid schwach und zerbrechlich! Wenn Euer Magen spricht, dann vergesst Ihr Euer Hirn!
    Und wenn Euer Hirn spricht, dann vergesst Ihr Euer Herz! Und wenn Euer Herz spricht, dann vergesst Ihr alles!"

  • Zum Thema Fragen der Bibelauslegung in christlichen Gemeinden und Kirchen bezüglich der Homosexualität hier ein aktueller Auszug aus der morgen erscheinenden Zeitschrift „Idea – Das geistliche Spektrum“,

    Nr. 39/2021, Seite 18.


    Sollten Christen mehr über theologische Unterschiede diskutieren oder stattdessen mehr Einheit wagen? Dazu ein (Streit-)Gespräch zwischen Markus Till*, Weil im Schönbuch und Ulrich Eggers**, Cuxhaven, moderiert von IDEA-Redakteur Karsten Huhn.


    * Markus Till (51) ist promovierter Biologe und arbeitet am Uniklinikum Tübingen. In seinem Buch „Zeit des Umbruchs: Wenn Christen ihre evangelikale Heimat verlassen“ (SCM R. Brockhaus) kritisiert er postevangelikale Entwicklungen. Till gehört der evangelischen Landeskirche an und ist Mitglied im Netzwerk „Bibel und Bekenntnis“, wohnt in Weil im Schönbuch.


    ** Ulrich Eggers (66) ist Geschäftsführer und Verleger der SCM Verlagsgruppe (Hänssler, R. Brockhaus, Gerth Medien, adeo, Bundes-Verlag) in Witten, Aßlar und Holzgerlingen. Er ist Pastor im Bund Freier evangelischer Gemeinden und Mitglied in dessen erweiterter Bundesleitung sowie 1. Vorsitzender von Willow Creek Deutschland, wohnt in Cuxhaven.

  • Warum tust du es dennoch?

    Ja, du hast vielleicht recht, vielleicht ist es wirklich Zeit, sich hier abzumelden und das Feld den Fundamentalisten und christlichen Taliban zu überlassen. [Zwinkersmilie]

    "Ihr Menschen seid schwach und zerbrechlich! Wenn Euer Magen spricht, dann vergesst Ihr Euer Hirn!
    Und wenn Euer Hirn spricht, dann vergesst Ihr Euer Herz! Und wenn Euer Herz spricht, dann vergesst Ihr alles!"

  • Zitat

    Aber unsere württembergische Landeskirche hat beschlossen, dass diese Entscheidung vor Ort getroffen werden soll. Dadurch entstehen Richtungsgemeinden, die solche Trauungen durchführen oder eben nicht. Wenn diese Entscheidung jede einzelne Gemeinde treffen muss, entsteht aber natürlich die Gefahr, dass der Konflikt von der Spitze an die Basis delegiert und dadurch multipliziert wird, weil er dann in jeder einzelnen Gemeinde ausgetragen werden muss.

    Sehe ich auch so. Das ist der Einheit sicherlich nicht förderlich. Nicht umsonst beschreibt Gottes Wort eine klare Stellungnahme zur Homosexualität. Demnach ist also gar kein Konfliktpotential vorhanden.


    Warum homosexuelle Paare überhaupt den christlichen Segen suchen, bleibt dabei unbesprochen. Es gibt doch genug Kirchen, die sich nicht auf die Bibel berufen. Denen könnte man als homosexuelles Paar doch beitreten, wenn man denn unbedingt den Segen haben will.

  • Zitat von Grubendol

    Ja, du hast vielleicht recht, vielleicht ist es wirklich Zeit, sich hier abzumelden und das Feld den Fundamentalisten und christlichen Taliban zu überlassen. [Zwinkersmilie]

    Fundamentalisten und christliche Taliban gibt es hier zwar nicht, außer in der Gedankenwelt einiger Atheisten vielleicht - aber genau das ist es ja, was dich bis jetzt zumindest hat hier bleiben lassen.


    Du kämpfst, wie einst Don Quichote, gegen Feindbilder, die du dir selbst entwickelt hast. ;)

  • Fundamentalisten und christliche Taliban gibt es hier zwar nicht, außer in der Gedankenwelt einiger Atheisten vielleicht - aber genau das ist es ja, was dich bis jetzt zumindest hat hier bleiben lassen.


    Du kämpfst, wie einst Don Quichote, gegen Feindbilder, die du dir selbst entwickelt hast. ;)

    Über Don Quijote kann ich mit dir nicht diskutieren (laut Gera), denn du hast ja keine Literaturwissenschaft studiert. :P

    "Ihr Menschen seid schwach und zerbrechlich! Wenn Euer Magen spricht, dann vergesst Ihr Euer Hirn!
    Und wenn Euer Hirn spricht, dann vergesst Ihr Euer Herz! Und wenn Euer Herz spricht, dann vergesst Ihr alles!"

  • Ihr Lieben,


    das Thema dieses Threads lautet:


    "Wer Homosexualität ablehnt und dies biblisch begründet, reißt Aussagen aus dem Zusammenhang." - Was meint Ihr?


    Ich möchte gerne zu diesem Thema des Eingangspostings zurückkommen und Euch folgende Fragen stellen:


    1. Ist mit den - auch in der Diskussion hier im Thread - oft genannten Bibelstellen die praktizierte Homosexualität von zwei festen Partnern konkret gemeint oder nicht?


    2. Was ist Eurer Meinung nach für gläubige und wiedergeborene Christen die Konsequenz daraus, wenn sie sich als homosexuelles festes Paar in dieser Weise verhalten?


    3. Auf welche Bibelstellen bezieht Ihr Eure diesbezügliche Auffassung dabei konkret?


  • Was bedeuten denn seine Anmerkungen zu Römer 1,18-32 für dich, bezogen auf das Thema Homosexualität?


    Dazu später meine ausführlichere Antwort. ;)

    Homosexualität aus biblischer Sicht


    Vorbemerkung: Ich habe es leider sehr oft erlebt, dass es in vielen christlichen Gruppen und Kreisen Mitglieder gibt, die in ständiger Angst davor leben, zu sündigen. So wurden sie erzogen, so sind sie aufgewachsen und geprägt worden. Ich habe diese Tatsache über mehrere Jahrzehnte hin immer wieder in mehreren Hauskreisen, Gemeinden und Gemeinschaften erlebt. Leider kommt die Freude in solchen Gruppen und Gemeinschaften oft viel zu kurz. Beispielsweise haben da Jungs und Mädels manchmal Angst, ihren Eltern zu erzählen, dass sie sich das erste Mal verliebt haben.


    Weil sie ja wissen, dass da oft nicht „Ach, wie schön!“ kommt oder „Das freut mich aber!“ oder „Jetzt wird es aber richtig spannend für dich!“, sondern sofort Sätze wie „Na, meinst du nicht, dass Du dafür noch zu jung bist“ oder „Jetzt musst du aber aufpassen, dass du nicht der Sünde verfällst!“ Oder: „Sie mal erst mal zu, dass du in der Schule besser wirst! Mädchen lenken dich jetzt nur ab!“


    Leider habe ich das als früherer Jugendkreisleiter in Neuenkirchen, Landkreis Cuxhaven, Niedersachsen, und während eines einjährigen Praktikums im CVJM-Kreisverband Dillkreis e. V. in Hessen immer wieder mitbekommen. Aber auch in den letzten zehn Jahren in verschiedenen Gemeinden und Gemeinschaften hier im Ruhrgebiet war es oft nicht anders.


    Ich erinnere mich aber noch genau an eine Silvester-Freizeit, die ich vor vielen Jahren in Hermannsburg, Kreis Celle, am damaligen Missionsseminar erlebt habe. Der Hauptreferent der Tagung, Pastor Klaus Vollmer, hielt eine Doppelstunde mit uns im großen Plenum im sog. „Pentagon“ zum Thema „Wenn die Liebe kommt …“.


    Klaus leitete das Thema mit einer bildhaften Beschreibung ein, aber schon nach zwei Sätzen kam die erste Frage, gestellt von einem Studierenden am Seminar, der an der Tagung auch teilnahm: „Wenn aber die Sünde kommt?“


    Klaus antwortete: „Wieso Sünde? Wir sind doch jetzt erst einmal dabei, uns darüber auszutauschen, wie schön es ist, wenn in zwei Menschen die Liebe ausbricht.“


    „Ja“, sagte der Studierende, „aber dann, was machen wir dann, wenn die Sünde kommt?“ – „Gemach, gemach, es geht hier überhaupt nicht um Sünde. Es geht um die Liebe und um das sich Verlieben!“


    Während der ganzen gut 90 Minuten reagierte dieser junge Mann immer wieder mit einer Frage auf die Aussagen von Klaus Vollmer:


    „Romantik“? - „Wenn aber die Sünde kommt?“ – „Du bist wunderschön!“ - „Wenn aber die Sünde kommt?“ – „Ich freue mich und bin Gott so dankbar!“ -„Wenn aber die Sünde kommt?“ usw. usw.


    Klaus sagte: „Ja, aber nun freut Euch doch erst einmal über dieses Wunder!“ - „Wenn aber die Sünde kommt?“


    Freuen? Ja … aber erst einmal Angst vor der Sünde thematisieren. Das alles kommt ja aber nicht von ungefähr. Denn manche benötigen immer einen „drohenden Gott“! Das sind sie so gewohnt! Viele Pietisten reden leider um ein Vielfaches mehr von der Sünde und von den Geboten als von der Vergebung!


    Nun, einerseits ist es ja so, dass ausgelebte Homosexualität in der Bibel tatsächlich als Sünde oder als „ein Greuel“ bezeichnet wird. Aber, man achte bitte immer auf den Zusammenhang. Tatsächlich gibt es sowohl im AT als auch im NT mehrere Texte, wo wir davon lesen können. Wobei es aber, wenn man mal genau nachschaut, nur wenige Textstellen gibt, die das ganz direkt und konkret aussprechen. Außerdem ist nicht zu übersehen, dass im AT vieles andere ebenfalls als „ein Greuel“ bezeichnet wird.


    Viele Dinge davon werden heute in konservativen christlichen Kreisen aber überhaupt nicht als Sünde bezeichnet oder überhaupt abgelehnt. Das muss man aber wissen, wenn man über Homosexualität im biblischen Zusammenhang spricht und ausgelebte Sexualität in einer bestimmten Weise bewertet und bestimmte Bibelstellen dafür als Begründung anführt!


    Einer der oft zitierten Bibelverse ist 3. Mose 20, 13: „Wenn ein Mann mit einem anderen Mann schläft, ist dies eine abscheuliche Tat. Beide sollen mit dem Tod bestraft werden, ihre Schuld fällt auf sie zurück.“ (Gute Nachricht Bibel)


    Auf der Website der Evangelische Kirche in Hessen und Nassau lesen wir dazu:




    Was machen wir jetzt mit diesen Aussagen? Sind Muscheln, Scampis oder Blutwurst für uns Christen also auch sehr schlimme Sünden? Oder doch nicht? Wenn nicht, wer entscheidet den dann, dass gleichgeschlechtliche körperliche Liebe wirklich Sünde ist, das Essen von Muscheln, Scampis oder Blutwurst aber nicht? Nach welchen Kriterien oder anderen Verfahren wird das hier festgestellt und verbindlich entschieden?


    Sowohl im AT als auch im NT werden auch sehr viele andere vermeindliche Sünden genannt. Und das wesentlich öfter. Wer meint, ständig ausgerechnet von der Homosexualität als Sünde reden zu müssen und betreffende Personen dauernd heftigst anklagt, der sollte doch erst einmal unter Beweis stellen, dass er mit all den anderen Sünden der Bibel so umgeht, dass diese bei ihm auch nicht vorkommen! Das aber wird kaum möglich sein.


    Hier einige Gedanken über das Thema von der Theologin und Bibelwissenschaftlerin Ilse Müllner aus Kassel:



    Wie schon erwähnt, geht es im besagten Text in Röm. 1 vordergründig gar nicht um partnerschaftliche Homosexualität, sondern um viele mögliche Sünden, die Menschen begehen können und die viele Menschen auch begehen. Der gleichgeschlechtliche Verkehr ist dort nur eine von vielen genannten Dingen.


    Es ist geradezu eine Schande, wenn manche Christen gerade diese Verse verwenden, um einseitig Homosexuelle zu kritisieren, während sie die anderen dort erwähnten vermeindlichen „Greuel“ aber außen vor lassen und nicht einmal darüber nachdenken. Besonders bei pietistischen und evangelikalen Christen habe ich das leider sehr oft so erleben müssen: Die anderen dort genannten Sünden werden in der Regel geflissentlich überlesen oder mit einen „Naja, das ist dann eben so!“ quittiert! – Aber, die bösen Homos!!! Die kann man mit großem Ekel richtig heftig kritisieren!


    Interessant ist übrigens, dass Homosexualität nach meinem Kenntnisstand im NT nicht ein einziges Mal von Jesus konkret thematisiert wurde, sondern nur von seinen Nachfolgern, wie beispielsweise von Paulus. Da ist doch die Frage erlaubt, weshalb das wohl so ist. Jedenfalls ist mir nicht bekannt, dass Jesus den Fragen nach Sünden auswich. Hat das in der Bewertung eine Bedeutung?


    Angeführt werden von konservativen Theologen oft Bibelstellen wie z. B. Mk. 7,21-22 als Beleg dafür, dass auch Jesus die Homosexualität verurteilte. Dazu lesen wir auf Wikipedia:



    Soviel zunächst von mir zum Thema „Homosexualität aus biblischer Sicht“. Jetzt komme bitte keiner darauf, daraus zu schließen, dass ich Homosexualität gut, schön, spannend oder anregend finde. Darum geht es aber überhaupt auch nicht! Wie ich persönlich Homosexualität finde, ist doch überhaupt nicht die Frage.


    Vielmehr geht es darum, wie wir als Menschen – und erst recht als bekennende Christen – mit anderen Menschen, die homosexuell sind, umgehen.


    Zum Abschluss noch das: Ich wurde gefragt, ob ich irgendwelche konkreten Erfahrungen mit Homosexuellen hätte und wie die aussähen. Denn leider höre und lese man ja immer wieder, dass Schwule andere Männer oft ziemlich plump anbaggern sollen. Mag sein, dass man so etwas hier und dort hört oder liest. Tatsächlich habe ich so etwas aber nie erlebt und halte solche Unterstellungen für falsch und für eine plumpe Hetze! In keinem Fall habe ich derartiges mit Homosexuellen erlebt. Wobei es vermutlich, wie meistens, immer mal wieder Ausnahmen geben wird, aber Ausnahmen sind eben bekanntlich nur Ausnahmen! Warum sollte es diese möglicherweise nicht auch bei Homosexuellen geben? Beweisen würden die jedenfalls aber gar nichts!


    Von zwei Erlebnissen möchte ich hier kurz berichten:


    Als Teenager lernte ich bei uns im Dorf einen Mann kennen, Herrn W., der regelmäßig zum Gottesdienst ging. Dass er ein Homosexueller war und sich dazu bekannte, war allgemein bekannt. Er hatte aus diesem Grunde im Nazi-Deutschland längere Zeit im Gefängnis eingesessen, was im Dorf auch allgemein bekannt war. Wir beide sprachen oft vorm und nach dem Gottesdienst zusammen und manchmal begleitete er mich nach dem Gottesdienst auch auf den Friedhof an das Grab meiner Großmutter. Manchmal hatte er einige heftige Sprüche über erotische Dinge drauf, aber er hat mich niemals irgendwie angebaggert.


    Jahre später, ich war inzwischen Leiter der Evang. Jugend in der Kirchengemeinde geworden und so um die 16 Jahre alt, baute sich so nach und nach eine freundschaftliche Verbindung zu einem prominenten Heimatdichter auf, der in unserem Dorf lebte. Er war im Dorf bekannt und beliebt, obwohl er kein Hehl daraus machte, dass er schwul war, was damals auf einem Dorf nicht so ohne weiteres unproblematisch war. Eher waren einige Leute ziemlich stolz darauf, mit ihn bekannt zu sein, weil er öfter im NDR zu hören war. Einmal bat er mich um ein Gespräch unter vier Augen und erzähle mir dann, dass er einen Blick auf mich geworfen hätte und fragte mich, was ich davon halten würde. „Du“, sagte ich, „das ist ja sehr schmeichelhaft für mich. Aber, sei mir nicht böse, ich stehe nur auf Mädchen.“ Das fand er, wie er sagte, „OK“ und damit war das Thema durch. Nicht einmal danach hat er mich deswegen irgendwann noch belatschert oder böse angesprochen. Wir haben uns auch danach noch oft getroffen und gesehen.


    Ich hatte auch in den folgenden Jahren immer wieder Kontakte mit Schwulen, mit denen ich mich auch immer gut verstanden habe. Wer Böses über Schwule erzählt („Ihh gitt – der ist ja vom anderen Ufer!“ – „deideidei…“ etc.) und womöglich als Christ noch von deren vermeindlichen Sünden spricht, sollte sich lieber fragen, ob sein eigenes diesbezügliches Handeln und sein schlechtes Reden über andere nicht viel eher als Sünde zu bezeichnen sind!


    Die damals vielfach über Schwule verbreiteten Geschichten stimmten nach meinen Erfahrungen überhaupt nicht, ich habe so etwas als ein sehr kontaktfreudiger Mensch jedenfalls nicht ein einziges Mal erlebt.

  • Hallo Günter,

    zunächst einmal vielen Dank für deine ausführliche Antwort. :thumbup:


    Es folgen einige Anmerkungen meinerseits...


    Zitat von Günter

    Vielmehr geht es darum, wie wir als Menschen – und erst recht als bekennende Christen – mit anderen Menschen, die homosexuell sind, umgehen.

    Das ist bestimmt eine Kernthematik, wenn aus um Homosexualität aus biblischer Sicht geht. Ist man als bekennender Christ berechtigt, Homosexuelle aufgrund der klaren, biblischen Aussagen zur Homosexualität in irgendeiner Weise verurteilen, schmähen, beleidigen oder sonstwie abwerten? Und die ebenso klare, biblische Antwort darauf ist: NEIN! Angefangen bei der "goldenen Regel", über Jesu "Strohhalm/Balken im Auge"-Bild, bis hin zu den paulinischen Aussagen, dass alle Menschen sündigen und nicht die Herrlichkeit Gottes erreichen... Nirgendwo findet sich in der Bibel eine Aussage, die es Nachfolgern Jesu erlauben würde, Homosexuelle zu verfolgen, in welcher Form auch immer.


    Davon unberührt bleibt die biblische Aussage, dass Homsexualität als Sünde bezeichnet wird, und Homosexuelle keinen Anteil am Königreich Gottes haben. Zum einen stellt sich da die Frage, welcher Homosexuelle denn überhaupt einen Anteil an so einem Reich Gottes haben wollte? Außerdem steht das Gericht darüber nicht den Nachfolgern Jesu zu, sondern Jesus selbst, der als Richter und König in Gottes Königreich amtet.


    Zitat von Günter

    Angeführt werden von konservativen Theologen oft Bibelstellen wie z. B. Mk. 7,21-22 als Beleg dafür, dass auch Jesus die Homosexualität verurteilte. Dazu lesen wir auf Wikipedia:

    Der Argumentation in dem wikipedia-Artikel schließe ich mich an. Es ist nicht so, dass sich die ersten Apostel Jesu von der Lehre Jesu abgewandt hätten, wie das in dem Zusammenhang gerne mal behauptet wird. Also ganz klar: Jesus verurteilt mit dem Begriff "Unzucht" auch die zur damaligen Zeit bekannte Homosexualität der griechischen und römischen Zivilisation.


    Zitat von Günter

    Wie schon erwähnt, geht es im besagten Text in Röm. 1 vordergründig gar nicht um partnerschaftliche Homosexualität, sondern um viele mögliche Sünden, die Menschen begehen können und die viele Menschen auch begehen. Der gleichgeschlechtliche Verkehr ist dort nur eine von vielen genannten Dingen.


    Wir hatten ja schon festgestellt, dass es keinen Sinn macht, die aufgezählten Sünden nach irgendwelchen persönlichen Standards zu werten oder zu gewichten. Das entspräche nicht dem Sinn dieses Textes.


    Zitat von Günter

    Was machen wir jetzt mit diesen Aussagen? Sind Muscheln, Scampis oder Blutwurst für uns Christen also auch sehr schlimme Sünden? Oder doch nicht? Wenn nicht, wer entscheidet den dann, dass gleichgeschlechtliche körperliche Liebe wirklich Sünde ist, das Essen von Muscheln, Scampis oder Blutwurst aber nicht? Nach welchen Kriterien oder anderen Verfahren wird das hier festgestellt und verbindlich entschieden?

    Nach biblischen Kriterien - sollte man meinen. Muscheln und Scampis zu essen, ist für Christen kein Problem. Das Essen von Blutwurst hingegen widerspricht der christlichen Auffassung über die Heiligkeit von Blut und dem Gebot aus Apog. 15,29


    Zitat

    euch zu enthalten von Götzenopfern und von Blut und von Ersticktem und von Unzucht[10]. Wenn ihr euch davor bewahrt, so werdet ihr wohl tun[11]. Lebt wohl!«

    Abschließend noch einige Anmerkungen zu den Aussagen der Theologin Müllner:


    Zitat

    Nein, aus der Bibel lässt sich überhaupt nicht ableiten, wie man sich heute als Christ oder als Christin mit Blick auf das Thema Homosexualität positionieren muss. Erstens, weil die Bibel nichts über Homosexualität, wie wir sie heute verstehen, aussagt. Und zweitens, weil die sexuellen Akte, die darin beschrieben werden, immer in ihrem jeweiligen kulturellen und sozio-historischen Kontext betrachtet werden müssen. Die Vorstellungen von einer homosexuellen Partnerschaft gab es damals noch nicht. Davon spricht man erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts.


    Das ist natürlich hanebüchener Unsinn. Es gibt ausreichend qualifizierte Literatur zum Thema Homosexualität in der Antike. Homosexualität auf "Machtverhältnisse" innerhalb der damaligen griechischen und römischen Gesellschaften reduzieren zu wollen, wird der dokumentierten Sachlage schlicht und ergreifend nicht gerecht. Man mag hier schon den Eindruck gewinnen, die "Theologin" habe sich hier sehr einseitig - wenn überhaupt - informiert.

    Es ist ein durchsichter wie auch kläglicher Versuch, die biblischen Aussagen zur Homosexualität zu verwässern und an den Zeitgeist anzupassen.


    Zitat

    Hier sollen Gäste, die in die Stadt Sodom, daher der Begriff Sodomie, kommen, durch Sexualverkehr gedemütigt werden.

    Diese Interpretation wird durch keine Silbe im Bibeltext gestützt.



    Zitat

    Ja, in der Antike ist ein sexueller Akt zwischen Männern durch ein Machtverhältnis definiert.

    Es geht nicht um eine Partnerschaft auf Augenhöhe, sondern darum, auszusagen, wer mächtig und reich ist und wer den anderen sexuell wie einen Sklaven beherrscht.

    Das ist - so pauschal formuliert - schlicht falsch. Das ist weit von den Fakten entfernt.


    Zitat von wikipedia

    In der Ilias spielen Achilles und Patroklos eine besondere Rolle. Obwohl in dem Werk nicht explizit ausgesprochen wird, dass die Beziehung beider sexueller Natur war, bestand zwischen beiden doch eine tiefe emotionale Beziehung. Platon war der erste, der sie als Liebespaar ansprach. In der homerischen Dichtung werden sie als gleichberechtigt dargestellt. In klassischer Zeit scheint dies jedoch Unbehagen hervorgerufen zu haben, und es gab diverse Versuche, in dem einen oder anderen den jüngeren oder den älteren zu sehen, wobei die Zuordnungen variieren. Andere Traditionen sahen sie jedoch einfach als gute Freunde.


    Zitat

    Biblische Worte und Texte werden gerne als verpflichtend angesehen, wenn sie das bestätigen, was man selbst für gut hält. Tun sie das nicht, werden sie als Zeugnisse einer vergangenen Lebenswelt abgebucht.

    Genau dieses Problem hat Frau Müllner bei ihrer Interpretation der Texte.


    Zitat

    Die Aufgabe einer christlichen Kirche und ihrer Theologie ist immer, ins Gespräch mit den Texten der Bibel zu gehen und das in Sensibilität für die jeweils gegenwärtige gesellschaftliche Situation zu tun.

    Mit anderen Worten: Die Bibel dem jeweiligen Zeitgeist anzupassen. :pinch:


    Zitat

    Gerne werden dafür die Freundschaft von Jonathan und David herangezogen oder das Verhältnis von Rut zu ihrer Schwiegermutter Noomi. Ob die Beziehung von David und Jonatan sexuelle Aspekte hat, ist in der Erzählung offen, jedenfalls wird von Liebe gesprochen.

    Aus diesen zwei Beispielen eine Homosexualität ableiten zu wollen, ist schon mehr als grotesk und völlig abwegig. Aber das passt zur momentanen gesellschaftlichen Beziehung zur Homosexualität. Ein Mann draf von einem anderen Mann ja kaum noch als "Mein Freund" sprechen, ohne gleich schief angeguckt zu werden. Da muss man dann "Kollege" "Kumpel" oder "best Buddy" sagen, um nicht gleich als homosexuell zu gelten.


    Der Spruch: "Echte Liebe gibt es nur unter Männern!" ist, sollte ja auch nicht pauschal im Sinne von Homosexualität verstanden werden. ;)

  • Nemesis: "

    Zum einen stellt sich da die Frage, welcher Homosexuelle denn überhaupt einen Anteil an so einem Reich Gottes haben wollte? ."


    Schau dich um in Gemeinden! Spahn bezeichnet sich als katholischer Christ. Vor einigen Jahren erzählte eine ehemalige baptistische Älteste, sie sei gegangen, weil bei ihr homosexuelle Christen getraut werden. In etlichen Gemeinden gibt es homosexuelle Christen, die es nun wagen, sich zu outen. Man findet genügend, die sich zum Christentum bekennen, aber auch genügend, denen der Heilige Geist nach ihrer Bekehrung zeigte, sie sollten keine gleichgeschlechtlichen Beziehungen mehr haben und das führte sogar zu Scheidungen Gleichgeschlechtlicher im Bekanntenkreis.

  • Zitat von Gera

    Schau dich um in Gemeinden!

    Ja Gera, ich weiß natürlich, wie es in vielen sog. christlichen Gemeinden aussieht. Allerdings ist es nicht entscheidend, ob man sich selbst als Christ sieht, sondern - wenn es um die Legitimation dieser Aussage geht - das, was Jesus Christus dazu aussagte. Dabei kommt mir immer wieder Jesu Aussage aus Matth. 7,21-23 in den Sinn:


    Zitat

    Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr!, wird in das Reich[2] der Himmel hineinkommen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. 22 Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke[3] getan? 23 Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter!

    Herr Spahn kann diesbezüglich also behaupten, was er will. Durch seine Handlungen erweist er sich als das genaue Gegenteil eines Christen.


    In sarkastische Worte gekleidet: Ich habe mittlerweile den Eindruck, dass Homosexuelle in der katholischen Kirche - aber auch in der protestantischen Kirche - hervorragend aufgehoben sind.

  • Moin Nemesis,


    vielen Dank für Deine ausführliche Antwort!


    Du zitierst mich wie folgt:


    Darauf antwortetest Du mir:

    Wir hatten ja schon festgestellt, dass es keinen Sinn macht, die aufgezählten Sünden nach irgendwelchen persönlichen Standards zu werten oder zu gewichten. Das entspräche nicht dem Sinn dieses Textes.


    Nach biblischen Kriterien - sollte man meinen. Muscheln und Scampis zu essen, ist für Christen kein Problem. Das Essen von Blutwurst hingegen widerspricht der christlichen Auffassung über die Heiligkeit von Blut und dem Gebot aus Apog. 15,29


    Gestatte mir bitte die Frage, weshalb Du die Aussagen aus 3. Mose dann so unterschiedlich beurteilst?


    3. Mose 20, 13 verstehst Du als klare, eindeutige und konsequenzreiche Anweisung bezüglich homosexueller Praktiken an uns alle, 3. Mose 11, 10 dagegen gilt, wenn ich Dich richtig verstanden habe, Deiner Auffassung nach in dieser Eindeutigkeit für uns nicht (mehr). Weshalb diese sehr unterschiedliche Auslegung und Einschätzung von Anweisungen aus dem Buch Levitikus, die doch nur wenige Verse voneinander entfernt stehen?

  • Nemesis: "

    Zum einen stellt sich da die Frage, welcher Homosexuelle denn überhaupt einen Anteil an so einem Reich Gottes haben wollte? ."


    Schau dich um in Gemeinden! Spahn bezeichnet sich als katholischer Christ. Vor einigen Jahren erzählte eine ehemalige baptistische Älteste, sie sei gegangen, weil bei ihr homosexuelle Christen getraut werden. In etlichen Gemeinden gibt es homosexuelle Christen, die es nun wagen, sich zu outen. Man findet genügend, die sich zum Christentum bekennen, aber auch genügend, denen der Heilige Geist nach ihrer Bekehrung zeigte, sie sollten keine gleichgeschlechtlichen Beziehungen mehr haben und das führte sogar zu Scheidungen Gleichgeschlechtlicher im Bekanntenkreis.

    "

    aber auch genügend, denen der Heilige Geist nach ihrer Bekehrung zeigte, sie sollten keine gleichgeschlechtlichen Beziehungen mehr haben ".


    Es sollte sich doch mittlerweile herumgesprochen haben , dass Homosexualität eine Veranlagung ist , sie ist nicht durch Bekehrungen , Gebete und Exorzismus zu ändern , es entsteht dadurch nur der äussere Anschein einer Änderung , in der Psyche der Betroffenen ändert sich nur dahingehend etwas , das sie in einen noch grösseren Zwiespalt geraten , da sie gezwungen sind zu schauspielern .

  • Hallo Günter,

    Zitat

    Gestatte mir bitte die Frage, weshalb Du die Aussagen aus 3. Mose dann so unterschiedlich beurteilst?


    Weshalb diese sehr unterschiedliche Auslegung und Einschätzung von Anweisungen aus dem Buch Levitikus, die doch nur wenige Verse voneinander entfernt stehen?

    Die Speisevorschriften galten explizit für die Israeliten unter dem mosaischen Gesetzesbund. Das Buch Levitikus schildert uns, was im Einzelnen zum mosaischen Gesetz gehört. Im Deuteronomium (zweites Gesetz) werden außerdem auch Anwendungen und Erläuterungen zu diesem Gesetz gegeben. Die Speisevorschriften finden im Neuen Testament keine Entsprechung. Die Vorschriften aus 3. Mo. 20, 13 hingegen, haben eine neutestamentliche Entsprechung - mit Ausnahme der Todesstrafe, die im Neuen Testament ebenfalls keine Entsprechung hat.


    Der Disput, der in Apostelgeschichte Kap. 15 geschildert wird, behandelt ja gerade die Frage, ob und inwieweit Christen sich an die Buchstaben des Gesetzes halten müssen. Vordergründig ging es bei diesem Streit zwar um die Beschneidung, aber insgesamt um die Lehre "des Gesetzes Mose´" (Vgl. Kap. 15,5)


    V. 28,29 schildert das Resumee der Versammlung der Apostel "durch heiligen Geist". Damit waren u. A. die Speisevorschriften annuliert, nicht aber die Grundsätze in Bezug auf Unzucht.

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