Regulierung von Überschwemmungsschäden durch die Elementarschaden- und Hausratversicherung in Werbung und Realität

  • Ihr Lieben,


    in einem Online-Bericht von zeit.de, den Nemesis in dem Thread EU-Gelder für die Flutopfer zitiert und verlinkt hat, in dem sich der Redakteur von zeit.de sehr kritisch über die fehlenden Finanzhilfen für Flutopfer durch die EU äußert, wurde sehr geschickt die Anzeige der mir nicht bekannten in Ungarn ansässigen Online-Versicherungsplattform Cherrisk, die eine Tochter des österreichischen Versicherungsunternehmens Uniqa ist, platziert:


    anzeige1.jpg


    Dazu möchte ich mich als anerkannter Versicherungsfachmann (BWV) wie folgt äußern:


    Diese Anzeige ist zwar mit einem Hinweis auf die CORONA-Epidemie überschrieben und es wird hier inhaltlich davon ausgegangen, dass sich der Wert des Hausrats während der Pandemie in vielen Fällen deutlich erhöht hat, aber es ist ja nicht zu übersehen, dass diese Anzeige mitten in einen Bericht über die Flutkatastrophe im Juli diesen Jahres platziert wurde. Nach einer kurzen Pause erscheint an dem selben Platz eine Fortsetzung der Anzeige:


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    Es heißt in dieser Anzeige also wörtlich:


    „Eine Hausratversicherung greift, wenn dein Hausrat aus bestimmten Gründen an Wert verliert – etwas durch Schäden, die Feuer, Wasser oder auch Unwetter verursacht wurden. Das solltest du vor dem Abschluss beachten. Mehr…“


    Es wird hier also geschrieben, dass die angebotene Versicherung u. a. auch bei Schäden greift, die durch "Wasser oder auch Unwetter verursacht wurden"! Nur, was bedeutet das denn konkret. Greift sie denn wirklich auch in realistischer Höhe? In dem Anzeigenteil davor wurde noch darauf hingewiesen, dass sich der Hausratwert während der Pandemie in vielen Fällen deutlich erhöht hat.


    Es fragt sich, wenn man dieser Logik folgt, welche Höhe diese durch Unwetter verursachte Hausratschäden denn in der Regel haben. Denn, es wurde suggeriert, dass diese Hausratversicherung "greift", also frei interpretiert tatsächlich hilft. Doch, wie sieht das konkret aus? Keine Angst, der kritisch prüfende Verbraucher wird unter der in dieser Werbung verlinkten Seite natürlich genau informiert, in welcher Höhe diese angepriesene Hausratversicherung bei Schäden "durch Unwetter" tatsächlich hilft:


    Bei 75 oder 50 % der Hauptversicherungssumme der Hausratversicherung?


    Oder in Zahlen: Bei Schäden in Höhe von 75.000,-- €? Oder in Höhe von 50.000,-- €? Oder in Höhe von 25.000,-- €? Oder wenigstens in Höhe von 10.000,-- €, was ja in der Regel bei so einem Schaden schon viel, viel zu wenig ist?


    Man bedenke bitte, dass bei Schäden durch Unwetter in der Regel nahezu der gesamte Hausrat unbrauchbar wird. Was kosten denn alleine schon die Möbel und die elektrischen und elektronischen Geräte in der Wohnung?


    Also, wieviel leistet diese hier so mutmachend werbende Hausratversicherung im Schadenfall durch durch Unwetter? Hier die Auflösung:


    anzeige3.jpg


    Quelle


    Also, dort steht unter "Details": "Bei einer Überschwemmung ersetzt der Versicherer die entstandenen Schäden an Hausratsgegenständen. Versicherungsleistung € 2.500

    Maximale Kostenerstattung"


    Das steht dort klar und deutlich. Dabei ist es auch völlig unerheblich, ob eine Versicherungssumme nach einer Hausrats-Wertanalyse von 25.000,- €, von 50.000,-- € von 100.000,-- € oder 150.000,-- € festgelegt wurde und dafür Beiträge entrichtet wurden.


    Das ist in diesem Zusammenhang völlig uninteressant: Bei einem Schadenfall durch durch Unwetter ist bei dieser hier wie Sauerbier angepriesenen Police bei einer Entschädigung von € 2.500 Schluss! Kein Cent mehr an Leistung wird hier in den Bedingungen genannt! Punkt! Da ist man da ja gut und umfassend beraten worden.


    Auch, wenn bei der Flutkatastrophe im Juli in nicht wenigen Fällen Hausratschäden von 50.000,- € oder 100.000,- € und mehr pro Haushalt durch Überschwemmungen entstanden, wurde / werden nach einer Police wie der hier angepriesenen maximal 2.500 € geleistet. Schluss der Kletterstange! Das muss man einfach wissen! So nachzulesen hier auf dieser Website der Firma Cherrisk.


    Da bitte also schon einmal genau vergleichen und vor allem das sogenannte Kleingedruckte lesen! Immerhin muss man dieser Online-Versicherungsplattform Cherrisk ja zugute halten, dass sie diese maximale Höchstleistung bei Überschwemmungsschäden auf ihrer Website nicht verschweigt oder nur kleingedruckt mit Sternchen oder Fußnote nennt, sondern sogar hervorhebt. Trotzdem finde ich persönlich es sehr schwach, dass man in einer Anzeige mit dem Versicherungsschutz für Schäden bei Überschwemmung wirbt, dass aber erst weiter nach Anklicken eines Links darauf hingewiesen wird, dass im Schadenfall aber tatsächlich nur ein kleiner Bruchteil des Schadens geleistet werden würde.


    Für alle Bewohner von Küstenregionen an Nord- und Ostsee ist das noch wichtig: Für Schäden durch eine Sturm­flut bietet nach meinem Kenntnisstand keine Gebäude- und keine Hausratversicherung versicherbaren Schutz an, in den oft zusätzlich angebotenen Elementarschaden­versicherungen sind Sturmfluten nach meinem Kenntnisstand immer noch total ausgeschlossen. Selbst in den alten DDR-Policen, die von der Allianz nach der Wende vom Staats­versicherungs­unternehmen der DDR über­nommen wurden, sind zwar auch Über­schwemmungs­schäden mit versichert, Schäden durch und infolge von Sturmfluten sind aber grundsätzlich ausgeschlossen.


    Wichtige Hinweise finden Interessierte übrigens auch hier: Sturm, Starkregen und Gewitter - Diese Versicherungen zahlen für Unwetter-Schäden - Stiftung Warentest


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