Armut - ein biblisch gesehen anzustrebender wert?

  • Noch immer erinnere ich mich gut an den Körpergeruch der Ursulinen am Gymnasium. Nonnen und Mönche geben ein Armutsgelübde ab, um Christus besser zu dienen. Jede Nonne besaß 2 Kleider, die einmal wöchentlich gewechselt wurden, Deo war Luxus, gab es nicht. In den Ferien half ich als Kind gern mal ehrenamtlich in der Wäscherei der Vinzentinerinnen an der Mangel. Gemäß Armutsgelübde hatte jede Nonne 2 Unterhosen, für die Periode wurden waschbare Lappen benutzt, BHs durften sie nicht tragen. Die Freundin meiner Mutter, Schwester P., bekam Geld geschenkt, bat meine Mutter, ihr Mieder und BH zu kaufen. Als Kind begriff ich nicht, dass sie so stolz auf ihr Eigentum war, mir diese Sachen immer wieder zeigte, wie schön die wären. Nun hätte sie etwas Schönes.


    Dominikaner Pater A. kümmerte sich um Kinder und Jugendliche. Er sagte uns, Fußball könne er nicht spielen, weil er nur das eine Paar Schuhe besaß.


    Ich war einige Mal bei den evangelischen Schwestern am Lausanner See. In ihren Zellen war ein Bett, ein Holzstuhl, Tisch und Schrank.


    Auch die Taizébrüder bezeugten ein einfaches Leben. Aber als ich das letzte Mal mit Alois, dem heutigen Prior, auf der Wiese neben der Kirche plauderte, war er gut gekleidet, genau wie die anderen Brüder.


    Findet ihr ein Wort Jesu, wo er bittet, dass seine Nachfolger materiell arm leben? Ein befreundeter Priester wies uns einmal darauf hin, dass Jesu Leibrock kostbar, ohne Naht war. Es sei wichtig, sich angemessen zu kleiden und zu leben, um ein Zeugnis zu sein. Wir aßen einige Jahre öfter bei ihm und er lebte nicht schlecht. Ein anderer befreundeter Pfarrer bot uns sehr einfaches Essen an. Das war sein Lebensstil gemäß Bibel, auch ohne Armutsgelübde.


    Das Gegenteil von biblischer Armut findet man bei einigen freikirchlichen Leitern, die ihr eigenes Flugzeug besitzen mit ihren Familien Karibikurlaub machen, den Kindern zum 18. Geburtstag ein nagelneues Auto schenken. ( Eine uns bekannte Missionarin tat das). Diese Leiter predigen, Gott wolle, dass es Christen materiell gut gehen soll. Wahrscheinlich begegneten sie nie dem Pastor in Gaesti, der mit seinen 5 Töchtern um 20h noch nichts zu essen gehabt hatte. Ich sah mich geleitet, ihnen 5€ zu geben, sie weinten vor Freude und ich erfuhr es. Sollte diese Familie falsch belehrt worden sein?


    Eure Gedanken interessieren mich!

  • Zitat von Gera

    Findet ihr ein Wort Jesu, wo er bittet, dass seine Nachfolger materiell arm leben?


    Nein. Jesus lehrte einen gemäßigten, ausgeglichenen Lebensstil. Geld und materielle Werte sollten nicht überbewertet werden, denn das wird zu einem Problem, was Jesus mit dem Bericht über den "reichen, jungen Vorsteher" erklärt. Dennoch war Jesus selbst gut gekleidet und nahm auch an Festen teil. Also alles ausgeglichen.


    Im Bibelbuch Sprüche wird es schon wie folgt beschrieben:


    Sprüche 30,8-9


    Zitat

    Gehaltloses[9] und Lügenwort halte von mir fern! Armut und Reichtum gib mir nicht, lass mich das Brot, das ich brauche[10], genießen, 9 damit ich nicht, satt geworden, leugne und sage: Wer ist ⟨denn⟩ der HERR? – und damit ich nicht, arm geworden, stehle und mich vergreife an dem Namen meines Gottes!


    Es geht darum, das für das Leben notwendige zu bekommen, dazu zählen selbstverständlich ausreichend Nahrung, Obdach, saubere Kleidung und Hygieneartikel- aber nicht der Ferrari oder der Privatjet... :whistling:

  • Oder das Privatflugzeug des Herrn Friedrich Merz...

    "Ihr Menschen seid schwach und zerbrechlich! Wenn Euer Magen spricht, dann vergesst Ihr Euer Hirn!
    Und wenn Euer Hirn spricht, dann vergesst Ihr Euer Herz! Und wenn Euer Herz spricht, dann vergesst Ihr alles!"

  • " nemesis:Es geht darum, das für das Leben notwendige zu bekommen, dazu zählen
    selbstverständlich ausreichend Nahrung, Obdach, saubere Kleidung und
    Hygieneartikel- aber nicht der Ferrari oder der Privatjet..."
    Darüber scheinen manche unterschiedlicher Meinung zu sein. Nahrung haben alle Nonnen und Mönche, an Kleidung wird gespart. Reicht ein einfaches Zimmer mit Stuhl, Tisch, Bett, Schrank? Ich würde Depressionen bekommen, wenn nicht ein Bild an der Wand hängt oder Blumen im Zimmer sind. Ich fand die Zimmer in Grandchamp bei den evangelischen Schwestern düster, sie scheinen sich wohl zu fühlen. Die Frauen sahen immer glücklich aus.
    Im Glaubenszentrum wurden männliche Gastsprecher oft in den Zimmern mit anderen Männern untergebracht und eine Mitarbeiterin erzählte mir, Dr Wolfhard Margies bekam als einziger ein Hotelzimmer. Vielleicht brauchte er das, um sich vorzubereiten und andere störte es nicht, Gemeinschaft zu haben. Bei Predigtvorbereitungen in Osteuropa genoss ich es, mit meinem Mann ein einfaches Zimmer zu haben, auch wenn man das Klo mit 10 anderen teilte. Draußen war es heiß oder auf dem Balkan kalt und ich brauchte Ruhe zum Vorbereiten. Jedem nach seinen Bedürfnissen, so lange sie nicht zu hoch sind. Heute, im Alter, möchte ich nicht mehr lange auf einem Sofa schlafen. Als wir jung waren, legten wir uns mit dem Schlafsack auf den Boden.
    Ich frage mich, ob übertriebene Armut ( kein Deo, keine BHs...) nicht einem manichäistischen Geist entspringt und mit der Bibel nichts zu tun hat. Franziskus von Assissi landete auch in dem Armutsextrem trotz aller Liebe zu Christus.


    Grubi,
    nicht nur Merz! Benny Hinns Frau hat oder hatte ein eigenes Flugzeug, damit sie ihrem Mann nach reisen konnte und er hielt es für nötig, sich in vielen Ländern, wo er diente, Eigentumswohnungen zu kaufen, damit er nicht in Hotels musste. Ob das noch so ist, weiß ich nicht.

  • Ein wenig mehr Armut vor allem für die reichen westlichen Länder scheint mir weniger ein biblisches als ein ökologisches Gebot zu sein.

    "Ihr Menschen seid schwach und zerbrechlich! Wenn Euer Magen spricht, dann vergesst Ihr Euer Hirn!
    Und wenn Euer Hirn spricht, dann vergesst Ihr Euer Herz! Und wenn Euer Herz spricht, dann vergesst Ihr alles!"

  • Zitat von Gera

    Darüber scheinen manche unterschiedlicher Meinung zu sein. Nahrung haben alle Nonnen und Mönche, an Kleidung wird gespart. Reicht ein einfaches Zimmer mit Stuhl, Tisch, Bett, Schrank? Ich würde Depressionen bekommen, wenn nicht ein Bild an der Wand hängt oder Blumen im Zimmer sind. Ich fand die Zimmer in Grandchamp bei den evangelischen Schwestern düster, sie scheinen sich wohl zu fühlen. Die Frauen sahen immer glücklich aus.


    Gerade weil die Meinungen von Menschen dazu so unterschiedlich und beinahe willkürlich sind, ist letztlich nur das entscheidend, was die Bibel sagt. Und diese Lehre ist eindeutig ausgeglichen - fernab jedweder extremen Vorstellungen von "Armutsbekenntnissen" oder verschwenderischem Luxus.
    Es ist ja nicht schlecht zu sparen, wo es sinnvoll ist. Es muss in vernünftiogem rahmen sein, und sollte nicht dazu dienen sich selbst als überaus fromm darzustellen. Auch starre Regeln führen da nicht weiter. Dann ist auch gegen ein Bild an der Wand nichts einzuwenden. :)


    Zitat von Gera

    Jedem nach seinen Bedürfnissen, so lange sie nicht zu hoch sind.


    Bedürfnisse sind das, was die Menschen zum Leben brauchen und sind mit einfachen Mitteln zu stillen. Das was darüber hinaus geht und dann als "zu hoch" betrachtet wird, ist der persönliche Anspruch für Annehmlichkeiten und Luxus. Wenn man nicht aufpasst, ist das dann ein Fass ohne Boden.

  • Zitat von Grubendol

    Ein wenig mehr Armut vor allem für die reichen westlichen Länder scheint mit weniger ein biblisches als ein ökologisches Gebot zu sein.


    Ironischerweise wird weder einem biblischen noch einem ökologischen Gebot die notwendige Beachtung geschenkt.


    Schau dir nur mal an, was für "E- Autos" die großen Deutschen Autobauer in ihren Werbespots anpreisen. Von wegen "Downsizing". Der Lebensstandard soll gehalten werden. Zusätzlich wird die Kaufbereitschaft noch durch ein falsches "Grünes Gewissen" gefördert. Das allein ist schon pervers genug.

  • Manipulation aus wirtschaftlichen Interessen finden wir überall. Wichtig ist wachsam zu bleiben und Christen sollten das Gebot " Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" beachten. Dazu gehört zum einen, dass man nicht stinkt, wie meine Lehrerinnen, wenn sie sich über unsere Hefte beugten, aber auch Verantwortung für die Umwelt. Niemand muss auf 26 Grad heizen und dann die Fenster offen lassen. Ich berechnete unsere Heizung selbst und man sagte mir, im Bad seien 26 Grad normal. Ich denke, dass es 22 Grad auch tun und im Schlafzimmer heizen wir in der Regel nicht. Das schont die Umwelt, ist aber auch gesünder.

  • Ich bin froh, wenn es mal nachts auf 12-15 Grad im Zimmer runterkühlt. Ab 20 Grad und mehr kann ich immer schlechter schlafen.


    Zitat von Gera

    Dazu gehört zum einen, dass man nicht stinkt, wie meine Lehrerinnen, wenn sie sich über unsere Hefte beugten, aber auch Verantwortung für die Umwelt

    So ist es. Die Priester im alten Israel mussten sich auch jedes Mal, bevor die ihren Dienst antraten, gesondert reinigen. Dafür stand in ihrem Heiligtum das "gegossene Meer", ein Becken welches mit rund 44.000 Liter Wasser befüllt war.

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